2007 Katzenjammer

Quellverweis: Südkurier 22. März 2007 von Wilfried Herzog

Ein Hof voll schräger Typen

Theatergruppe Hoppetenzell strapaziert Lachmuskeln des Publikums

2007_Theater_Katzenjammer_Artikel
Von links: Michael von Briel, Cilli Engst und Edith Engst.

Ob feinsinnig oder derb, ob dezent oder lautstark, ob offensichtlich oder hintergründig, mit gnadenlosen Angriffen auf die Lachmuskeln seines Publikums hat die Theatergruppe des Sportclubs Hoppetenzell unter der Leitung von Paul Engst mal wieder alle Erwartungen übertroffen. An zwei Abenden war die Halle rappelvoll, die Akteure in glänzender Spiellaune, das Publikum bestens aufgelegt und Vereinsvorsitzender Jörg Herzog hochzufrieden.
Die Truppe um Engst hatte von Anfang an nur eines im Auge: die bestmögliche Unterhaltung des Publikums. Dazu gehörte auch der Hinweis: “Dies ist eine Nichtraucherveranstaltung.” Und nach jedem Akt des Bauernschwankes “Katzenjammer” von Bernd Gombold hatte die Raucher ausreichend Zeit, entweder im Foyer oder im Freien ihrem Genusse zu fröhnen. Zur Veranstaltung gehörte auch ein farbenprächtiges Bühnenbild, das bis in Kleinigkeiten liebevoll ausgestaltet war (Bauten von Daniel Grömminger, Gestaltung von Heinz Reiter). Dazu gehörte der junge, aufstrebende Weizen mit Kätchen als Tischdekoration (Katja Stengele), und vor allem die fast schon professionell anmutende typen- und charaktergerechte Maske (Gisela Matt) der Akteure. Und die hatten bald keine Hemmungen mehr, ihre Lachattacken zu reiten.
Wenn sich Opa Otto (Gerold Grömminger) zusammen mit seinem Busenfreund und Nachbarn Alois (Christian Schreiber) knochentrocken ausdenkt, wie der Zwangsverkauf des Marienhofes seiner Enkelin Brigitte (Stefanie Reiter) bestmöglich bewerkstelligt werden kann, so dass er doch einmal sein Altenteil beziehen kann und nicht alles verloren geht, dann fehlt nur noch der schlitzohrige Knecht (Norbert Herzog) mit seinen aberwitzigen Ideen, um den Unternehmen “Katzenjammer” zum Erfolg zu verhefen.
Da macht dann noch der französisch lispelnde (köstlich), allseits vermeintlich hochbegabte, aber allseits verkannte Künstler Friedbert (Ralf Zanner) sich auf Kosten der Bäuerin Brigitte ein leicht-lottriges Leben, bis Henneliese von Gutlenberg (Cordula Grömminger) mit ihrem 17-jährigen Kätzchen Charlotte wortstark auftaucht. Und weil die Vorstellungen der zahlungskräftigen Henneliese von einem vegetarischen Hof ohne Schlachtfeste so gar nicht mit denen der Hofbewohner übereinstimmen wollen, jagen die drei schlitzohrigen Gesellen Otto, Alois und Done (gnadenlos deftig) die Dame aus der Stadt von einer Ohnmacht in die andere. Doch der himmlische Friedbert fängt Henneliese (stark) standhaft so lange auf, bis ihn diese am Gängelband hat. Die humoristischen Pfeile spritzen nur so in den Raum, wenn die zwei unverbesserlichen, köstlich schrulligen Großtanten Kresenz (Cilli Engst) und Hermine (Edith Engst) altbacken, knauserig, verbissen und wortgewandt ihrem lieben Büebli Peter (Torsten Grömminger) den Hof als Mitgift für das Kloster sichern wollen. Sie glauben, das Büebli besuche immer noch das Priesterseminar und wissen nichts von seinem Studium der Agrawissenschaften. Auch die auf Anhieb in Peter verliebte Bäuerin Brigitte (dynamisch-jung) kriegt das Büebli doch noch. Und dass der latschige Bauer Peter Gräble (Michael von Briel) sehr treffend auf der Suche nach seiner Bäuerin ein Opfer des Schlitzohrentrios wird, rundet die heftig-deftige Klamaukkomödie vollkommen ab.
Das Publikum dankte den herzerfrischend, engagiert und überwiegend textsicher aufspielenden Schauspielern mit heftigem Applaus für einen herrlichen Abend. Souffleur Wilfried Engst musste anscheinend nicht allzu oft eingreifen. Niemals kam dank der Fähigkeiten aller Akteure, ihre Rolle zu leben und nicht nur zu spielen, Langeweile auf.

2007_Theater_Katzenjammer_Gruppenbild
Von links: Cordula Grömminger, Ralf Zanner, Torsten Grömminger, Stefanie Reiter, Cilli Engst, Michael von Briel, Edith Engst, Christian Schreiber, Gerold Grömminger und Norbert Herzog.